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Wo rockt Deutschland am meisten?

Metal Handzeichen

Laut Statistik hören sieben Millionen Menschen in Deutschland gerne Musik der härteren Gangart – doch wie ist die Metal-Szene in Deutschland eigentlich verteilt? In welchen Teilen Deutschlands erwartet uns die geballteste Ladung Metal? Wir haben uns auf die Suche nach einer Antwort auf diese Frage gemacht.

Neu bei uns: Der Bandkompass

Mit mittlerweile weit mehr als 100 Bands in unserer Modern-Metal-Germany Familie können wir zwar keine empirische Studie präsentieren, dafür aber eine erste Einschätzung machen. Unser neuer „Bandkompass“ zeigt die Standorte aller Metal-Bands über die Deutschlandkarte verteilt und wird von nun an auch regelmäßig aktualisiert. Man erkennt schon jetzt einzelne Zentren, wie in Berlin, im Ruhrpott oder im Großraum Stuttgart, in denen besonders viele Metal-Bands aus derselben Region kommen. Insgesamt sind die Bands im ganzen Land verteilt, auf der westdeutschen Seite jedoch viel flächendeckender vertreten als in Ostdeutschland.

MMG Bandkompass
Quelle: MMG Bandkompass

Wo kommen die meisten Bands her?

Die Zeit hat sich diese Frage auch schon einmal gestellt und versucht, die „Metal-Band-Dichte“ nachzuvollziehen. Dabei kam man zu dem Schluss, dass aus Jena, Ulm, dem Landkreis Weimarer Land und Passau die meisten Metal-Bands stammen. Neben diesen vier Metal-Hochburgen zeigt die Karte aber ebenso wie unser Bandkompass, dass die meisten Metal-Bands in Süd- bis Mitteldeutschland angesiedelt sind: Dort kommen mitunter 20.000 Einwohner auf eine Metal-Band. In Norddeutschland braucht es dagegen bis zu 100.000 Einwohner, damit sich – zumindest statistisch – eine Metal-Band gründet. Im nationalen Mittel sind es etwa 60.000 Einwohner pro Metal-Band, umgerechnet hätten wir laut dieser Statistik also knapp 1.400 deutsche Metal-Bands. Das einzige Brachland ist auch hier wieder der Osten, darunter ganz besonders der Berliner Ballungsraum.

Wir können davon ausgehen, dass nicht alle Bands bei der Statistik berücksichtigt wurden, zumal die Zahlen Der Zeit auf eine Datenbank zurückgreifen, in die sich Bands selbstständig eintragen konnten. Die Ballung im südwestdeutschen Raum könnte mitunter auch daher kommen, dass wir mit unserem Stuttgarter Standort zunächst vermehrt Kontakt zu Bands in unserer Umgebung hatten, zumal wir uns auch auf das Subgenre Modern Metal konzentrieren. Außerdem zeigt unser Kompass die tatsächliche Dichte der Metal-Bands, die Karte von Der Zeit stellt das in relativen Zahlen zur Bevölkerung dar. Beide Karten zeigen aber eine tendenziell südwestliche Verteilung der Bands und ein eher mageres Angebot im Osten des Landes. Warum ist das so?

Deutschlandkarte zur Metal-Dichte
Quelle: Zeit.de

Welche Faktoren spielen eine Rolle für die Verteilung?

Ein Grund dafür könnte die historische Entwicklung in Deutschland sein: In der DDR war die Bandexistenz, vor allem aber auch die Bandgründung, nicht ganz so einfach, wie es zur selben Zeit im Westen war. „Hardrock und Metal-Musik waren nicht staatskonform, sondern ein Produkt des Imperialismus und wurde sehr kritisch beäugt“ erinnert sich ein Zeitzeuge, der schon während der Teilung fest in der Metal-Szene verwurzelt war. Die Musiker mussten sich einer „Einstufungs-Kommision“ stellen, die darüber zu entscheiden hatte, ob es sich bei der Musik um „sozialistisches Kulturgut“ handelte.

Das Metal Genre war, wie sollte es auch anders sein, eher unbeliebt bei den Behörden. Konzerte wurden oft spontan und mit fadenscheinigen Begründungen abgesagt oder aber es gab erst gar keine Genehmigung. Auch die Liedtexte wurden kontrolliert und häufig nicht zugelassen, zumal grundsätzlich nur deutsche Texte geduldet wurden. Durch diese Umstände warfen viele Musiker das Handtuch und bemühten sich um eine Ausreise. Gut möglich, dass diese Verhältnisse die Szene nachträglich geprägt haben. Denn auch wenn Core und Co damals noch Zukunftsmusik waren, entwickelten sie sich aus eben diesen Genres, die zur Zeit der deutschen Teilung gehört wurden – oder eben auch nicht.

Wie sieht’s mit den Festivals aus?

Festivalkarte
Verteilung einiger großen Festivals mit härterer Musik in Deutschland

Soviel zur Herkunft der Bands. Ein weiterer Punkt auf der Suche nach der stärksten Metal-Szene sind natürlich unsere geliebten Festivals. Wacken, Rock am Ring, Summer Breeze: Sie finden überall im Land verteilt statt. Hier mit dem schönen See zwischen den Zelten, dem Schwimmbad, das zum Circle Pit aufruft, dort wo das Festival ein ganzes Dorf einnimmt und nicht zuletzt das Festival zu Schiff. Es braucht also scheinbar keine bestimmten geographischen Voraussetzungen, allerdings braucht es Platz – viel davon. Daher will man glauben, dass es davon jede Menge im menschenverlassenen Ostdeutschland geben sollte, aber auch in Sachen Festivals schneidet der Osten wieder schlechter ab. Denn hier ist, neben dem kleineren Rock Harz und Reload Festival, das Full Force das einzig große Metal-Festival – zudem eins, das den Standort schon viermal wechseln musste.

Doch auch wenn Festivals zu den größten Ansammlungen der Metal-Szene gehören und für viele das Highlight des Jahres sind, sagen sie nicht viel über die lokale Szene aus. Denn nur die allerwenigsten verfügen über das Privileg, in oder direkt neben einem Festivalgelände zu wohnen. Für den Rest herrschen lange Anfahrten quer durchs Land und manchmal sogar weiter. So lockt beispielsweise das Wacken Open Air, das größte der deutschen Festivals, jedes Jahr aufs neue 75.000 Menschen auf die Acker des nördlichsten Niemandslands. Und auch wenn der Name des Dorfs Programm ist, geht es hier im restlichen Jahr wesentlich ruhiger zu.

Kein Metal-Zentrum, sondern ein Metal-Land

Unterm Strich lässt sich eigentlich kaum mehr sagen, als dass man die deutsche Metal-Szene nicht eindeutig lokalisieren kann. Anstelle einer einzelnen Metal-Hochburg, wie es in Schweden zum Beispiel Göteburg ist, haben wir hier in Deutschland gleich mehrere metalaffine Städte. Da wir im europäischen, vor allem aber internationalen Vergleich der meisten Metal-Bands jedoch richtig gut abschneiden, verteilt sich die Szene mit einzelnen Ausnahmen im Osten des Landes, über die gesamte Landkarte. Ebenso tragen die unzähligen Festivals aber auch die Szene-Clubs, wie das Backstage in München oder früher die Rockfabrik in Ludwigsburg, zur Verteilung der geballten Ladung Metal bei.